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Am Morgen vor dem Turnier

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Ich bin am Morgen weit vor Acht
Mit dem Gedanken aufgewacht:
Heut ist Turnier! Um 12 Uhr 10
Muss ich auf meinem Abschlag stehn!
Na gut, da ist noch reichlich Zeit
Für Ruhe und Gelassenheit!
So bleibe ich im Bettchen liegen
Und träume, wie die Bälle fliegen.

 

Der Zeiger geht auf acht Uhr zehn,
Wird Zeit, jetzt endlich aufzustehn!
Was ich beim Golfturnier nicht mag,
Das ist der Stress vorm ersten Schlag!
Und so genieß ich erst einmal
Der Dusche wärmend Wasserstrahl!
Ich fühl mich wohl, ich fühl mich frisch,
Um Neun sitz ich am Frühstückstisch.

 

Zuerst ein kleines Gläschen Saft,
Das weckt den Darm und gibt mir Kraft,
Ein bisschen Honig, etwas Quark
Und dann ein Ei, denn das macht stark.
Die Ehefrau das Unglück ahnt
Und wieder mal vergeblich mahnt:
„Sitz nicht zu lang beim Frühstücksmahl,
Du bummelst wie beim letzten Mal!“

 

Ach was, ich muss noch Zeitung lesen,
Was wird, was ist und was gewesen,
Der Bundesliga Auf und Ab!
Den neusten Stand beim Ryder-Cup!
Wo wurden Stimmen falsch gezählt,
Wer wurde wann und wo gequält?
Und eh ich habe mich verseh´n
Da geht die Uhr auch schon auf Zehn.

 

Die Zeit hat sich nun doch verengt,
Der Aufbruch Richtung Golfplatz drängt,
Es kommt ein wenig Hektik auf,
So nimmt das Unglück seinen Lauf.
Die Schuhe sind noch sehr verdreckt,
Wer hat den Handschuh bloß versteckt,
Verpflegung noch für alle Fälle
Und selbstverständlich neue Bälle.

 

Nun muss ich meine Brille suchen,
Begleitet von dem ersten Fluchen!
Wo ist der Kamm für meine Locken,
Ich brauche auch noch frische Socken,
Und einen Slip und eine Hose,
Ein saub‘res Hemd zur Siegerpose,
Denn schließlich muss man im Verein
Zur Siegerehrung schnieke sein.

 

Der Zeiger ist auf elf Uhr zehn,
Hat einer meine Uhr geseh´n?
Wo sind denn bloß, Herrjemine,
Mein Schlüssel und mein Portmonee?
Jetzt muss ich nur noch ohne Schaden
Den ganzen Kram ins Auto laden,
Und als ich endlich, endlich fahre,
Bin ich gealtert um zwei Jahre.

 

Derweil ich nun zum Golfplatz jage,
Verfluch ich bitter meine Lage,
Muss mehrmals mutig überholen,
Um die Sekunden aufzuholen!
Die Ampeln stehen ohne Not
Am Sonntagmorgen stramm auf Rot!
Durch unerschrock´nes Ignorieren
Kann ich die Fahrtzeit fast halbieren.

Nun habe ich den Weg geschafft
Und sammle noch mal neue Kraft.
Schnell wird der Trolley aufgebaut,
Denn jeder Handgriff ist vertraut.


Die Zeit zu knapp mich einzuschlagen,
Dem Putten muss ich auch entsagen,
Denn dringlich ist, dass ich jetzt geh
Zur Sondersitzung auf‘s WC!

Ich kann mich nicht vom Stress erholen,
Ich muss noch meine Karte holen.
„Du bist ja wieder ziemlich spät,
Du lernst wohl nie, wie´s richtig geht!
Dein Flight ist schon zum Abschlagplatz!“
Und weiter geht die wilde Hatz.

 

Derweil ich mir die Haare raufe
Und keuchend zu den andern laufe,
bricht Schweiß heraus, die Adern toben,
Mein Magen wendet sich nach oben,
Die Kammern in dem Herzen flimmern,
Die Hüfte schmerzt, die Knie wimmern,
Und ich beschwör beim Gotte Thor,
Das kommt bestimmt nicht wieder vor!

 

A us: "Kleine Geschichten über Golf" , Bahn 8, S. 52-55

 


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